|
| von ,
|
| |
Gottscheds "Cato" literaturgeschichtlich eingebettet
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Sterbender Cato (Taschenbuch) Die vorliegende Reclam-Ausgabe ist zu empfehlen. Gottscheds 1732 veröffentlichtes Stück wird nicht aus literarischem, sondern nur aus literarhistorischem Interesse gelesen. Die Handlung deshalb nur in Kürze: Cato, letzter unermüdlicher Kämpfer für die römische Republik, hat sich in Utica vor seinem Gegner Cäsar verschanzt. Sein vermeintlicher Verbündeter Pharnaces erweist sich als Verräter, die afrikanische Prinzessin Arsene aber, die bei Cato Schutz sucht, als seine verschollene Tochter. Ein Treffen Cäsars mit Cato bleibt ergebnislos, der stoische Cato endigt seine aussichtslose Lage mit Selbstmord. Gottsched, Leipziger Professor und Verfasser einer „Critischen Dichtkunst vor die Deutschen" wollte das deutsche Theater in seinem Sinne reformieren und forderte regelkonforme Stücke. Gottscheds Beharren auf verbindlichen Regeln für die Dichtkunst, die er schon bei Aristoteles vorgebildet glaubt, und die man unter den Oberbegriff „Nachahmung der vernünftigten Natur" stellen könnte, ist nur begreiflich, wenn man den philosophischen Background des Leipzigers betrachtet: Als Anhänger der Philosophie von Leibniz und dessen Schüler Wolff glaubt er an die Vollkommenheit der Natur. Diese Harmonie und Vollkommenheit soll nun der Dichter nachbilden, alles, was in einem Stück vorkommt, muss genau motiviert und begründet sein. Dies eigentlich meint „Nachahmung der Natur" im Gottschedschen Sinne und sie gelingt seiner Meinung nach nur dann, wenn man sich an vorgegebene feste, vermeintlich „vernünftige" Regeln hält, denn die Natur selber ist ihm nach vernünftigen Regeln gestaltet und funktionierend. Zu welch pedantischen Haarspaltereien Gottscheds Regelrigorimus bei ihm und seinen Zeitgenossen führen kann, zeigt sich in den in der vorliegenden Reclam-Ausgabe abgedruckten „Auszügen aus der zeitgenössischen Diskussion über Gottscheds Drama": In 1733 erstmals gedruckten „Eines ungenannten Gönners kritische Gedanken über den Sterbenden Cato" glaubt ein zeitgenössischer Kritiker dem Dichter Gottsched einige Verstösse gegen sein eigenes Regelwerk nachweisen zu können, was Gottscheds „Bescheidene Antwort" zu entkräften sucht. Bereits eine neue Stufe der Auseinandersetzung mit der Gottschedschen Regelpoetik und deren konkreter Umsetzung findet man dann in den Ausführungen von Pyra aus dem Jahr 1744, Pyra lehnt Gottscheds Drama unter anderem mit den Worten ab: „Wen die Dichtkunst nicht selbst, sondern nur ein Lehrbuch erleuchtet, kann nicht ihr Priester sein." Die vorliegende Ausgabe beinhaltet zudem auch ein Lesartenverzeichnis, ein ausführliches, ziemlich auf dem neuesten Stand stehendes Literaturverzeichnis und ein informatives Nachwort des Herausgebers, welches Gottscheds wichtige Stellung in der deutschen Literaturgeschichte zu erhellen vermag. Was leider fehlt, sind einige Anmerkungen zum Text, etwa zu historischen Anspielungen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 15. Juni 2005 | | |
| | | | |
| | | Zur Übersicht ... |
 |  |  |  |  |  | | |
| |
Angebote zu , ab 1 Euro!
|
| Siehe auch folgende Artikel: |
|
| | | Miß Sara Sampson: Ein bürgerliches Tr... Die zärtlichen Schwestern Catharina von Georgien Buch von der Deutschen Poeterey (1624): Mit dem... Die Pietisterey im Fischbein-Rocke
|
| | Mehr zu Dramatik
|
| | Home ..., , Begleitseite ... |
|
|
| | Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von |
Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum) |
| |