Hundskrüppel: Lehrjahre eines Übeltäters


 
Spannend, lustig, hinterfotzig!
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(TOP 50 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Hundskrüppel: Lehrjahre eines Übeltäters (Gebundene Ausgabe) Der Untertitel dieses einhundertsieben Seiten kurzen Bändchens sagt alles: Gerhard Polt beschreibt in vierundvierzig Episoden "Wahre Begebenheiten" aus seinen Jugendjahren - wobei das "Wahre" nur auf seinem Wort beruht.
In einem Vorwort beschreibt er seine (harte) Kindheit als glücklich und vor allem als notwendig (wobei er hier den Unsinn meint, den er und seine Kumpanen getrieben haben), um nicht zu früh erwachsen zu werden ("wie die anderen"), und dass er seinen Optimismus dadurch nie verloren hat!

Da werden kleine und liebenswerte Streiche gemischt mit eher bösen Fallstricken, die unschuldigen Mitmenschen gestellt werden, und die entsprechenden, oft sehr harten Strafen gleich angedeutet - wahrlich hatte er keine leichte Kindheit, hat sich aber nicht unterkriegen lassen.
Wenn ihm oder einem seiner Freunde ein "Du Hundskrüppel, du verreckter" hinterher geschrieen wurde, war der Tag gerettet und in die Achtung der Gleichaltrigen war einem sicher.

Da werden Hüte von Mitreisenden als Aschenbecher genutzt, natürlich mit der noch glimmenden Kippe, einem Säugling wird ein Regenwurm in den Mund gesteckt, der dann gleich aufhört zu "plärren", in einer anderen Episode werden einem Künstler Abfälle ins Zimmer geworfen (da dort immer ein Fenster offen steht) und die darauf folgende Fliegenplage genüsslich angemerkt, da wird die Naivität der Erwachsenen belächelt, die doch tatsächlich auf die Frage, wer denn der Übeltäter war, die Notlügen der Jungs GLAUBEN!

In der Kirche werden die Ohren des Vorder-"Kindes" im Lichte der Sonne beobachtet (bis die Ohrwatschen folgen), Wespen werden in Kuchenstücken versteckt und mit Spannung wird jede einzelne Gabel des Unschuldigen Opfers beobachtet (gnadenlos natürlich). Ratten werden in einer Fleischerei gejagt (und vermutlich in den Fleischwolf geworfen) und in einem Milchladen wird erst die Besitzerin mit einem Trick fortgelockt und dann wird mit vereinter Kraft hingebungsvoll in eine große Milchkanne "gerotzt" ...

Eine Geschichte wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf die damaligen Lebensumstände (und auf die Dinge, die wichtig waren): Ein "Kindkollege" hatte einen Vater, der den ganzen Tag in einem Kühlschrank steckte, nämlich dem Kühlraum einer Metzgerei. Nur wenn ein Kunde etwas aus diesem Kühlraum wollte, wurde an die Tür geklopft und der "alte Pemsi" reichte das Entsprechende heraus. Ab und zu (selten!) durfte er für kurze Zeit zum warmen Leberkäse, um sich aufzuwärmen. Als im Krieg das Nachbarhaus einstürzte, drohte auch die Metzgerei einzustürzen. Alle verließen das Haus, nur die Frau des "alten Pemsi" rannte wieder hinein und rettete im letzten Moment die Geldkassette, bevor das Haus einstürzte - dem Pemsi hat keiner Bescheid gesagt - der ist im Kühlraum erfroren! Der "Kindkollege" von Gerhard Polt wurde übrigens Heizungsbauer.

Die meisten Geschichten sind nicht mal zwei Seiten lang und entsprechend knapp und unkommentiert. Nur wer den Polt'schen Hintersinn und oft verschrobenen Humor mag, wird sich hier köstlich unterhalten, die Derbheit und Härte dieser "Schlaglichter" könnten aber zart Besaitete abschrecken. Wer mit Polt und seinen Possen (in Buch und Film) nichts anzufangen weiß, dem werden die Streiche seiner Jugend schon gar nicht gefallen. Also Vorsicht, man muss Polt mögen!
Der Rezensent jedenfalls hat sich köstlich amüsiert - die Nachkriegszeit und ihr grauer Alltag, die harte und brutale "Pädagogik" der Eltern und Lehrer forderten eben einfach diese gnadenlosen Reaktionen der "Hundskrüppel" heraus!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 7. Dezember 2009
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